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Seattle

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Straßenbahn an der Waterfront

Straßenbahn an der Waterfront

Als wir aufwachen, trauen wir unserem Augen nicht: Man sieht noch nicht mal die Plattform der Space Needle, alles im dichten Nebel! Man, was für ein Glück, dass wir gestern gleich oben waren und uns das nicht für heute aufgehoben haben! Der Wetterbericht für heute war gut, aber die Realität ist ernüchternd. Es ist kühl, die Shorts und T-Shirts der letzten Tage haben erst einmal ausgedient. Da muss die lange Jeans und ein Sweatshirt raus.

Vorbei am Seattle Center und der Space Needle, deren Observation Deck mittlerweile doch wieder zu erahnen ist, machen wir uns nach dem Frühstück auf zur Waterfront, wo eine alte Straßenbahn entlangfährt und ein beliebtes Fotomotiv darstellt. Unten an einem Pier liegt ein wirklich großes Kreuzfahrtschiff der Norwegian Cruise Line. Weiter in Richtung Zentrum sehen wir uns das recht sehenswerte Seattle Aquarium an, futtern dann an einem Fisch-Schnellrestaurant direkt an der Waterfront ein paar Fisch & Chips (das kann man da richtig gut, auch Muschelsuppen und Krabben jeder Art bekommt man da zu vernünftigen Preisen, eine schöne Abwechslung zu den Burgern im übrigen).

Qualle im Seattle Aquarium

Qualle im Seattle Aquarium

Wir steigen in die Straßenbahn und fahren dann in Richtung Chinatown, wo wir durch die Straßen wandern. Besonders eindrucksvoll ist das aber nicht. Ganz anders der Bahnhof, der direkt vor dem neuen Seahawks Stadium liegt. Hier könnte man vom Boden essen und die Toiletten sind so sauber wie in einem Vier-Sterne-Hotel. Nicht zu vergleichen mit solchen Stätten hier bei uns in Deutschland. Das Seahawks Stadium ist zwar zu, aber dennoch ist das von dem Microsoft Ex-Manager Tim Allen finanzierte Sportstadion sehr eindrucksvoll, und man kann sich die Geräuschkulisse vorstellen, wenn es hier um die Wurst bzw. das Leder-Ei geht.

Das Stadion der Seattle Seahawks

Das Stadion der Seattle Seahawks

Danach geht es zum Pioneer Square. Vorher kommen wir aber noch am Occidential Park mit seinem Firefighter Memorial vorbei und gehen ins Klondike National Park Museum. Hier wird die Geschichte des Goldrauschs erzählt, die in groben Zügen jedes Kind aus Disneys Dagobert Duck Geschichten kennt. Was nicht so viele wissen: Seattle war das Basislager für den größten Teil der Menschen, die ihr Glück suchten und bereit waren, für ein paar Nuggets alles zu riskieren. Ein Film im Museum zeigt sehr schön die Geschichte, und auch die Exponate geben einen tiefen Einblick in die Geschichte und die tiefen Umwälzungen, die der Goldrausch mit sich brachte.

Das Firefighters Memorial

Das Firefighters Memorial

Dann geht es in den Untergrund. Rick führt die Tour. Er wird im nächsten Monat 65 und macht das, weil er durch widrige Umstände einen ordentlichen Teil seiner Rente verloren hat. Er lebt auch noch nicht so lange in Seattle, aber er hat sich viel mit der Geschichte der Stadt beschäftigt und macht das aus Passion. Die Geschichte, die er sehr witzig und spritzig erzählt, hat es in sich.

Die Geschichte beginnt zur Zeit des Goldrauschs, als vor allem Männer die Stadt bevölkerten. Mit ihnen kamen Prostituierte, die offiziell in den Statistiken immer als Näherinnen (!) erschienen. Ein wenig seltsam erschien das den Stadtvätern schon, denn diese Damen erzielten doch recht stattliche Einkommen. Und statt sie mit Schimpf und Schande aus der Stadt zu jagen, kamen die Oberen auf den Gedanken, den Beruf der “Näherin” mit einer ordentlichen Steuer zu belegen. Das brachte Geld in den Stadtsäckel! “A stitch in time is two bucks” war der landläufige Spruch. Ziemlich doppeldeutig...

Pioneer Square

Pioneer Square

1889 brannten in einem großem Feuer 33 Blocks ab, und bevor offizielle Pläne da waren, hatten die Geschäftsleute ihre Häuser neu errichtet. Eigentlich wollte man die Waterfront höher legen, um gegen die Hochwasser gewappnet zu sein, und gleichzeitig ein weiteres Problem erledigen: Das Gefälle in der Stadt war niedrig, und die Querschnitte der Abwasserleitung in Richtung Meer wohl nicht sehr groß. Das führte dazu, das öfter mal das Abwasser nicht nur allein die Leitungen hinunterschoss, sondern auch in die Wohnungen - besonders dann, wenn die Flut kam. Also beschloss man, den Abhang steiler zu gestalten und die Straßen mit ihrem Abstand zum Pudget Sound sukzessive höher zu legen.

Das war aber nicht ganz unproblematisch, da die Geschäftsleute dann eine Weile ihr Geschäft hätten stilllegen müssen. Also zogen sie die Häuser einfach wieder an der alten Stelle hoch, ohne die Pläne der Verwaltung abzuwarten. Die Stadtväter wollten aber nicht von ihrem Anliegen lassen.

Am Pioneer Square

Am Pioneer Square

Als man sich nicht einigen konnte, passierte folgendes: Die Häuser samt der Bürgersteige davor waren Eigentum der Geschäftsleute. Aber die Straßen gehörten der Stadt Seattle. Und diese wurden einfach wie geplant höher gelegt. Die Bürgersteige lagen nun niedriger als die Straße und bildeten quasi Gräben an den Straßen entlang. Pro Straßenzug verschwand so ein Stockwerk der Häuser nach dem anderen, und die Gräben wurden tiefer. Nur an den Straßenecken existierten Treppen. Es stellte sich aber heraus, dass die Leute weiterhin unten entlang gingen, obwohl das ja beschwerlich war.  Und unfallträchtig war es auch. Lasten, die von der Straße über die Gräben ins innere der Geschäfte geladen wurden und hinunterfielen, verursachten wohl recht viele Unfälle und forderten auch Tote.

Wie auch immer: Am Ende wurden die Gräben dann doch zugeschüttet, so dass man nun eine Stadt unter der Stadt findet. Die früheren Erdgeschosse sind nun Keller, die meisten werden auch heute noch genutzt. Wenn man genau hinsieht, dann merkt man auch, dass mancher ebenerdiger Eingang in der Stadt früher mal ein Fenster war! Und wenn man dann unter der Erde ist, dann sieht man die alten Erdgeschosse und Eingänge.

Der Hammering Man vor dem Art Museum

Der Hammering Man vor dem Art Museum

Es gäbe noch viel zu erzählen, z.B. über die Lichtschächte, die an den Straßenecken existieren. Aufgrund des Magnesiums im Glas verfärben sie sich mit der Zeit lila. Unter ihnen liegen die Keller direkt unter dem Bürgersteig, denn da auch der Boden darüber und darunter den Hauseigentümern gehört, haben die die Keller einfach bis zu Straßenrand gezogen. Oder dass über die ehemaligen Erdgeschosse, die eigentlich nicht mehr genutzt werden durften, oft Einbrecher kamen. Insgesamt kann ich die Underground Tour jedem ans Herz legen.

Wir schlendern vom Pioneer Square zurück grob in Richtung Pike Place Market, suchen dabei auch nach einem Pub für heute abend finden dabei Pike Pub & Brewery noch bevor wir Pike Place Market sehen. Sieht hübsch aus, wir merken uns das für abends. Über besagten Pike Place Market, wo man wirklich alles bekommt - nicht nur Fisch, Meeresfrüchte und Blumen - und wo das Leben tobt, und diverse andere Stationen gelangen wir wieder ins Hotel. Nach kurzem Aufenthalt machen wir uns wieder auf. Auch Pike Pub & Brewery -

Endstation der Monorail in Downtown

Endstation der Monorail in Downtown

eine der hier stark vertretenen Microbreweries - kann ich bedenkenlos empfehlen. Nicht nur das Bier ist für amerikanische Verhältnisse gut, auch die Burger sind groß und nicht zu teuer. Nach dem Essen setzen wir uns noch an die Bar und spülen die Burger mit einem Pitcher runter.

Insgesamt gibt es in der Stadt noch einige schöne, aber nicht unbedingt billige Shopping-Malls, z.B. Westlake Mall oder Nordstrom. Letzteres Kaufhaus geht auf einen Schuhverkäufer zurück, der zu Zeiten des Klondike-Goldrauschs den Pionieren das passende Schuhwerk und noch vieles mehr verkaufte und dabei den richtigen Riecher hatte: Man kann durch den Goldrausch steinreich werden, aber nicht mit einem Claim, sondern wenn man den Abenteurern verkauft, was sie brauchen.

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Tag 9:
29.9.2003

Strecke:
Seattle
(Auto stehen gelassen)

Wetter:
Neblig, bewölkt - keine Sonne weit und breit

Bundesstaaten:
Washington

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