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Portland und Mount St. Helens

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Portland am Columbia River

Portland am Columbia River

Am Morgen ist das Bild ähnlich wie gestern: Trüb, leicht neblig - kein schönes Wetter. Aber vielleicht ist es ja ähnlich wie gestern: Weiter im Land wird es später am Tag ganz gut sein.

Also fahren wir erst mal nach Portland rein, schauen uns Downtown an. Vom Columbia River aus schlendern wir über die Feuerwache zum Saturday Market - heute ist Samstag, also ist auch Markt. Zudem ist er sehr hübsch, mit vielen Künstlern und vielen hübschen Dingen. Wir erstehen noch ein paar supergünstige Sonnenbrillen, schlendern dann über den Pioneer Courthouse Square.

Pioneer Courthouse Square

Pioneer Courthouse Square

Portland an sich ist an diesem Morgen ruhig und gemütlich, keine Hektik, wie man sie in einer Innenstadt erwarten würde. Eher wie bei uns an einem Sonntagmorgen auf der Zeil. Portland verfügt auch über eine große, modern und groß daherkommende Straßenbahn - das ist in den USA eher selten. Wir bemerken noch ein paar alte Häuser mit den Feuerleiter außen, wie man sie vom Film her kennt.

Wir besuchen noch einen Konsumtempel: Niketown. Nur Nike-Schuhe, Klamotten, Accessoires. Große Plakate zeigen uns, dass gerade die Frauen-Fußball-WM läuft. Bei unserer Abreise aus Portland zwei Tage später hat Deutschland die USA 3:0 geschlagen auf dem Weg zum Titel - und wir werden mehrfach darauf angesprochen, ob wir wegen der WM hier gewesen sind. Die Frauen spielten am 5.10. hier in Portland, was wir aber gar nicht wussten. Wir hatten lediglich gesehen, dass am 5.10. hier auch der Portland Marathon stattfinden soll.

Niketown

Niketown

Gegen Mittag wagen wir es dann und machen uns auf zum Mount St. Helens, der berühmt wurde, als er am Morgen des 18. Mai 1980 nach einem Erdbeben regelrecht explodierte und weite Regionen des amerikanischen Nordwestens unter einer zentimerdicken Aschewolke begrub. 400 Höhenmeter verlor der Berg in Folge allein der ersten Eruption.

Monatelang vorher warnten Forscher schon, denn der Vulkanberg, der ständig unter Beobachtung stand, zeigte untrügliche Zeichen für eine gewaltige Explosion. Allein zwischen dem 15. und 21. März 1980 wurden über 100 Erdbeben registriert. Spätestens mit dem Erdbeben am 20. März, dass eine Magnitude von 4,1 aufwies, war klar, dass der Berg auf dem Weg zu einer großen Explosion war. Am 27. März folgte der nächste Akt in dem unglaublichen Schauspiel: So genannte “Phreatic eruptions” traten zum ersten Mal auf - Eruptionen, die auftreten, wenn Wasser mit heißem Magma in Kontakt kommt und bei einer Hitze von bis zu 1200° Grad Celsius explosionsartig verdampft. Sie traten mit Unterbrechungen immer wieder bis zum 14. Mai auf.

Panorama des Mount St. Helens vom Lahar Viewpoint aus

Panorama des Mount St. Helens vom Lahar Viewpoint aus

Diese Eruptionen waren ein erstes sichtbares Indiz - der Mount St. Helens begann Asche und Rauchwolken zu spucken. Dieses Ereignis nahmen die Vulkanologen von der U.S. Geological Survey (USGS) zum Anlass, eine Sperrung der Region in einem Umkreis von 30km zu fordern. Allerdings war die Region - ähnlich wie noch heute der Mount Rainier - eine touristische Attraktion. Auch wurde der Wald intensiv bewirtschaftet, so dass sich eine komplette Sperrung nicht durchsetzen ließ. Die meisten derer, die sich über die Sperrungen hinwegsetzen, unterschätzen die Gefahr - nur die Geologen waren sich des Risikos bewusst und beobachteten der Berg weiter aus der Region der höchsten Gefahr.

Lava Canyon

Lava Canyon

Die Hänge des Berges wurden durch die vulkanische Aktivität instabil - am Nordhang hatte sich bis zum 12. Mai eine 150 Meter hohe Aufwölbung aufgetan, die im Durchschnitt um 1,5 Meter pro Tag anwuchs. Der Berg veränderte sich dramatisch.

Am 18. Mai 1980 um exakt 8:32 Uhr war es dann soweit: Ein Erdbeben der Stärke 5,1 auf der Richterskala hatte dann die selbe Wirkung wie das Schütteln einer Sektflasche - der Berg explodierte, nachdem eine Flanke des Berges mit einer Geschwindigkeit von 110 bis 240 Km/h abgerutscht war und die überdimensionale Sektflasche “entkorkte”. Innerhalb weniger Sekunden ergoss sich eine fast 500 Km/h schnelle und etwa 350° Celsius heiße Druckwelle über die Region und knickte in dem nordostwärts gerichteten Explosionstrichter noch viele Meilen entfernt auf einer Fläche von insgesamt 600 km² Bäume wie Streichhölzer um. Noch heute sieht man die Bäume dort liegen, als wenn die Explosion gestern gewesen wäre: Die Wurzeln liegen zum Berg hin, die nicht mehr existenten Baumkronen zeigen vom Berg weg. Unvorstellbare 24 Megatonnen thermische Energie wurden durch die Explosion frei. Pyroklastische Wolken mit einer Temperatur von etwa 700° Celsius glitten infolge der vulkanischen Aktivität den Hang hinab und vernichteten alles Leben restlos. Schlammlawinen, verursacht durch schmelzenden Schnee und Eis, schossen den Toutle River und andere Flüsse im Umkreis hinab und zerstörten 200 Häuser. Die Schlammmassen verstopften noch für Monate den Columbia River...

Auf dem Weg zur Windy Ridge

Auf dem Weg zur Windy Ridge

57 Menschen verloren in dem Inferno ihr Leben, darunter auch der Wissenschaftler David Johnston, der für die USGS fünf Meilen entfernt gerade Dienst tat. Sein letztes Lebenszeichen kam um 8:32 Uhr: “Vancouver, Vancouver! That is it!”.

Wir näheren uns dem Berg von Portland aus kommend über den Interstate, den wir am Exit 21 verlassen und fahren auf dem HW 503 weiter. Hinter Cougar biegen wir noch mal ab zu Ape Cave - einem Lavatunnel, der bei einem Ausbruch vor rund 1900 Jahren entstand. Man braucht Taschenlampen, um die Höhle zu durchwandern. Angeblich bekommt man die an der Ranger-Station direkt auf dem Parkplatz vor dem Eingang - aber die ist, wie so vieles zu dieser Jahreszeit, schon geschlossen. Ohne Taschenlampen kann man das aber vergessen. Auch hinter den anderen Leuten hinterherzugehen hat keinen Zweck. Also fahren wir bald weiter zum Lava-Canyon. Auf dem Weg dorthin sehen wir den Berg erstmals so gegen 14:30 Uhr am Lahar Viewpoint. Die Reste des Lahars (Lawinen aus geschmolzenem Schnee, Eis und Geröll) sind deutlich zu sehen. Als wir dann den Lava Canyon erreichen, schwant uns schon, dass wir auch heute wieder etwas knapp mit der Zeit sind.

Blast Zone Edge

Blast Zone Edge

Kurz vor drei Uhr machen wir uns auf zur Windy Ridge. Der Weg ist unheimlich kurvenreich und man benötigt sehr viel Zeit für die 60 Meilen. Ich hatte es mir eher so wie am Mount Rainier vorgestellt, aber wir kommen nur viel langsamer vorwärts. Ich kann nur jedem raten, am Mount St. Helens sehr viel Zeit einzuplanen!

Noch vor der Windy Ridge irgendwo zwischen Bear Meadows und dem Miner’s Car bekommen wir zum ersten Mal einen Eindruck von der gewaltigen Verwüstung - alle Bäume - egal wie dick die Stämme sind - sind entweder abgeknickt oder einfach umgeblasen. Wir sind etwa 10 Meilen vom Krater weg... Miner’s Car ist der nächste Haltepunkt. Drei Menschen starben dort 9 Meilen vom Krater entfernt. Das Auto sieht aus, als ob es in eine Schrottpresse geraten wäre. Verwunderlich ist nur, dass die Reifen noch da sind... Die Temperaturen scheinen sie jedenfalls überstanden zu haben. Dann die ersten Blicke auf den ehemals so malerischen Spirit Lake. Er liegt nun infolge der Schlamm- und Ascheablagerungen einige hundert Meter höher als vor dem Ausbruch. Seit 23 Jahren schwimmen dort nun die Baumstämme im Wasser und bedecken dessen Oberfläche... Einfach gespenstisch.

Miner’s Car

Miner’s Car

Dann stehen wir an der Windy Ridge und stellen fest, dass man zu dieser Tageszeit besser das gegenüberliegende Johnston Ridge Observatory als Aussichtspunkt gewählt hätte. Zwar ist das Wetter okay, aber wir blicken nach Westen in die tief stehende Sonne und es ist zudem etwas dunstig. Dennoch ergreift einem Demut und Ehrfurcht, wenn man sich die Überreste dieses gewaltigen Ausbruchs ansieht. Noch nach 23 Jahren sind die Spuren des gigantischen Erdrutschs, der zur finalen Katastrophe führte, klar zu erkennen. Das Wort von der “Desaster Area” hat auch heute noch seine Berechtigung. Was für ein Anblick... In 20 Jahren wird der Lava-Dom in der Mitte des Kraters wieder den Kraterrand erreicht haben, in weiteren 200 Jahren wird der Berg voraussichtlich wieder so aussehen wie am Anfang des Jahres 1980. Das große Spiel beginnt also von Neuem...

Tag 14:
4.10.2003

Strecke:
Portland und
Mount St.Helens
(311 Meilen)

Wetter:
bedeckt, später heiter bis wolkig, am Abend Regen

Bundesstaaten:
Oregon

Links zum Tag:
siehe hier

Panorama des Mount St. Helens von der Windy Ridge aus

Panorama des Mount St. Helens von der Windy Ridge aus

Oben am Aussichtspunkt über dem Parkplatz treffen wir ein paar Mädels (alle erheblich jünger als wir) - eine aus Hannover, eine andere aus den Niederlanden - wo die anderen herkamen weiß ich nicht.

Windy Ridge - im Hintergrund der Krater

Windy Ridge - im Hintergrund der Krater

Das Mädel aus Hannover lebt seit zwei Monaten hier und will insgesamt ein Jahr bleiben. Sie unterhalten sich zunächst mit einem amerikanischen Pärchen, die ihnen Tipps zu Digicams und Campgrounds im Umkreis geben. Das Mädel aus Hannover macht dann noch ein Bild von uns vor dem Krater des Mount St. Helens, das aber aus unerfindlichen Gründen “etwas” dunkel gerät...

Kurz vor halb sechs am Abend verlassen wir die Windy Ridge wieder. Um nicht zu viel Zeit in den Wäldern der Gegend und den kurvenreichen Straßen zu verlieren, wählen wir den längeren Weg über Randle. Der Weg hinunter gerät zu einer Art Rallye: Schon weit oben über der Baumgrenze setzt sich ein Pick-Up vor uns - und der scheint den Weg zu kennen! Er heizt mit einem Affenzahn den Berg hinunter und Matthias denkt sich: Wenn der die Kurve so nimmt, dann kann ich das schon lange... Ziemlich weit unten verlieren wir ihn mal kurz, kommen aber wieder heran. Er führt uns bis Randle . Ohne ihn hätten wir erheblich länger gebraucht, die Dämmerung greift um sich, und wer die Strecke nicht kennt, der hat nun ein Problem. In Randle treffen dort wieder auf den uns wohl bekannten HW 12, bevor wir dann wieder auf den I-5 treffen. Schon auf dem HW-12 beginnt es zu regnen.

Spirit Lake

Spirit Lake

Um 20:40 Uhr sind wir wieder in Portland. Am Mount St. Helens hatten wir gutes Wetter, das ist alles, was heute zählt - die Eindrücke von dort sind gewaltig. Das Wetter in Portland dagegen ist schlecht. So, wie heute vormittag.

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Links zum Tag:

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