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Uwe Logemann

Letzte Änderung:
21.02.2020

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Mdina, Rabat und die Mitte

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An der Blauen Grotte - im Hintergrund die Insel Filfa

An der Blauen Grotte - im Hintergrund die Insel Filfa

Erst sieht es morgens gut aus – Wolkenreste hängen noch über St. Juliens und den nördlichen Teilen Maltas, aber ansonsten wieder Sonne. Das ändert sich aber nach dem Frühstück. Wir fahren trotzdem zur Blauen Grotte , denn wir vermuten und hoffen, dass es das schnell wieder verzieht. Dem sollte leider nicht so werden. So aber verdrängen wir den Gedanken wieder, heute lieber doch nach Gozo zu fahren. Über den Flughafen und Luqa fahren wir ganz blauäugig rüber zur Blauen Grotte. Es ist bedeckt als wir dort ankommen. Viel los ist nicht, das ist schon verdächtig. Der Parkplatz ist leer, scheint

Hagar Qim - Fensterstein

Hagar Qim - Fensterstein

auch nichts zu kosten. Wir marschieren runter zu den Booten, werden noch etwas durch die Schilder in die Irre geleitet, die uns einen Umweg runter schicken zu einem Kartenhäuschen – das ist zu, Mist. Fahren die Boote heute etwa nicht? Es sieht so aus. Wir wollen schon wieder zurück zum Auto, als uns ein Einheimischer

Der Altar von Hagar Qim

Der Altar von Hagar Qim

in ein Gespräch verwickelt, uns erklärt, dass die See zu rauh wäre (was uns nicht unbedingt so einleuchtet) und die Boote deshalb nicht fahren würden. Auf die Frage, ob sie später am Tag eventuell fahren würden, erklärt er, dass sie auch am Nachmittag nicht fahren würden, wenn sie erst mal entschieden hätten, nicht zu fahren. Das ist dann Pech für den ganzen Tag. Bad Luck sozusagen. Er gibt uns aber den Tipp, doch unten in den Felsen entlang zu laufen bis kurz oberhalb der Grotte. Von dort hätte man einen sehr schönen Blick. Wir folgen dem Rat und er hat recht.

Mnajdra

Der Tempel von Mnajdra

Zurück am Auto gibt er uns noch ein paar Tipps und hält dann die Hand auf... aha, so nach dem Motto “der Parkplatz kostet nichts, aber meine Tipps”! So läuft das hier also. Na gut, mit 50 Cent ist er zufrieden und wir fahren. Kurz oberhalb halten wir noch einmal an der Aussichtsplattform, die der “Parkplatzwächter” uns als Tipp mit auf den Weg gegeben hat. Dann fahren wir weiter und besuchen den zweiten Megalithtempel: Hagar Qim. Der wiederum ist so ziemlich der bekannteste, und selbst wenn man Malta noch nicht selbst besucht hat, ist dieser Tempel ein Begriff. Hagar Qim und Mnajdra bilden einen Komplex – Hagar Qim liegt etwas höher, Mnajdra liegt etwas weiter unten in Richtung Meer. Karten kann man für beide zusammen kaufen. Der Tempel ist etwa 3000 Jahre vor Christus erbaut worden und soll sich recht deutlich von den anderen Tempeln auf Malta unterscheiden. Wir sehen das nicht, denn es ist unser erster, gut erhaltener Tempel – so man das von derart alten Ruinen sagen kann. Außerdem kommt er uns kleiner vor als auf den Zeichnungen (das Areal soll 600 mal 300 Meter messen). Während man sich auf Maltas Straßenkarte eigentlich immer verschätzt, weil man in Realität aufgrund der geringen Entfernungen schon längst vorbei ist, wenn man meint, an dem Punkt auf der Karte zu sein, ist es hie umgekehrt –

Mnajdra - im Hintergrund die Insel Filfa

Mnajdra - im Hintergrund die Insel Filfa

der für uns erkennbare Teil der Ruinen ist deutlich kleiner als ich immer dachte. Imposant ist es dennoch. Über die Ausmaße kommen wir mit einer deutschen Touristin ins Gespräch, die unseren Eindruck bestätigt. Sie war schon vor ein paar Jahren da und hatte von damals auch alles größer in Erinnerung – als ob ein Teil fehlen würde. Charakteristisch sind jedenfalls die exakt behauenen Steine, die z.T. so groß sind, dass man sich fragt, wie diese Blöcke bewegt wurden. Daher auch der Name der Kultur: Monolithkultur. Zahlreiche Altäre und Fenstersteine ziehen den Blick auf sich – auch wenn ich zugeben muß, dass ich für das ein- oder andere Detail nur dank des Reiseführers einen Blick habe.

An den Dingli Cliffs

An den Dingli Cliffs

Von Hagar Qim geht es einen kleines Weg hinunter zur nächsten Kultstätte: Mnajdra. Dieser Tempel ist noch etwas älter, er wird meist auf 3500-3000 vor Christus geschätzt. Für uns sieht er recht ähnlich aus. Vom 12. auf den 13. April 2001 wurde der Tempel durch Vandalen verwüstet – man sieht, wo die Steine wieder aufgerichtet wurden und wo sie mit Mörtel und Beton geflickt wurden.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz (auch hier werden wir “nett” von einem Parkplatzwächter in ein Gespräch verwickelt, auch das kostet wieder 50 Cent, aber ich kann ganz nett plaudern – er nimmt sich Zeit selbst nachdem er das Geld hat) fängt es

Clapham Junction - Wagenspuren

Clapham Junction - Wagenspuren

an zu regen – der Regen ist aber warm und auch nicht stark, das macht nichts. Nur die Kamera muß etwas geschützt werden. Als wir am Wagen sind ist der Spuk aber auch schon wieder vorbei.

Dann geht es weiter. Vom Laferla Cross (238m ü.NN) überblickt man die ganze Insel. Etwas besseres Wetter würden wir uns wünschen. Auf dem Weg nach oben wird queren wir das Territorium einiger Hunde, die zu einer Hütte und dem Mann darin gehören. Er scheint dort in der Einöde zu leben, kaum vorstellbar mitten in Europa und doch abgeschieden von allem, scheinbar außerhalb der Zivilisation. Hier kommt kein Tourist her, erst recht nicht ohne Auto – die nächste Busstation ist wohl ziemlich weit weg.

Nächste Station sind die Dingli Cliffs. Hin und wieder erhaschen wir einen Blick auf die steil abfallende Küstenformation. Wir suchen auch einen Weg runter, so schnell sehen wir aber keinen. Auch eine Straße, die wir zunächst in Verdacht haben, dass sie eventuell weiter herunter führen könnte, erweist sich als Sackgasse. So essen wir erst im Bobbyland unser Kaninchen – sehr lecker, der Tipp von Barbara war es wert. Zwei Wermutstropfen gibt es –

Chamäleon auf Mdinas Stadtmauer

Chamäleon auf Mdinas Stadtmauer

erstens ist die Bedienung nicht die flinkste (zwei Tische auf einmal abfertigen ist mindestens einer zuviel, daher dauert alles “etwas” länger), zum anderen nagt man an einem “Rabbit Maltese Style” schon ziemlich lange – ziemlich verwinkelt, ziemlich viele Knochen. Aber eine lecker Soße ist dabei, insgesamt wirklich sehr zu empfehlen. Lecker!

Wir lassen dann nach übe eineinhalb Stunden “Mittagspause” das Auto erstmal stehen und versuchen, runter an die Klippen zu kommen – aber no way: Da, wo wir einen Weg sehen, steht auch ein Schild: Private, no entry. Schade. Zum Suchen ist es erheblich zu heiß. 30° im Schatten – aber welcher Schatten??? Auf ganz Malta gibt es eigentlich nur zwischen Häusern Schatten. Aber hier? Hier ist keiner!

Mdina - Main Gate

Mdina - Main Gate

Demzufolge ist es heiß, der Schweiß rinnt unter dem T-Shirt. Fast so heftig wie anno 2000 in Hong Kong. So geben wir den Plan auf und setzen uns wieder in unseren kleinen Kia ohne Klimaanlage – der glüht aber nun auch nach der langen Zeit, die er in der prallen Sonne stand. Wir fahren zur Clapham Junction. Dieser Platz heißt so, weil die Engländer von dem System von Spurrillen so beeindruckt waren, dass sie den Ort nach einer berühmten Kreuzung in London benannt haben. Man nimmt an, dass es Rillen sind, in den Karren gezogen wurden.

Straßenzug in Mdina

Straßenzug in Mdina

Diese in den Fels gehauenen Spuren kreuzen sich oft gleich den Weichen von Schienen und überziehen ein großes Areal an einem flachen Hang. Die Experten sind sich aber immer noch nicht einig, ob die Theorie wirklich stimmt. Andere, wie Erich von Däniken, haben da – wen wundert’s – ganz andere Theorien… man nimmt an, dass die Rillen aus der späten Bronzezeit stammen (1500-1000 v.Chr.).

Ein Einheimischer erwischt uns und ein Pärchen, was sich auch gerade die Spuren ansieht, und spricht uns an: Er will uns eine Höhle in der Gegend zeigen. Wir wissen aber nichts davon und lehnen lieber ab.

Wir kehren zurück zum Auto und machen uns auf nach Mdina, der alten Hauptstadt Maltas. In Mdina stellen wir das Auto in der Nähe des Main Gate auf

Mdina - die Kathedrale

Mdina - die Kathedrale

einem recht holprigen Parkplatz ab. Auf der Brücke über den Festungsgraben hockt ein Chamäleon auf der Mauer und wird von uns erstmal mit der Kamera unter Beschuß genommen. Erst lässt es sich das noch gefallen, wie die ganzen Touristen so auf das arme Tier einstürmen, rückt dann aber doch irgendwann immer mehr in Richtung Abgrund und stürzt dann prompt ab! Allerdings scheint dem Tier auch nach dem metertiefen Sturz nichts passiert zu sein. Glück gehabt!

Durch das Main Gate betreten wir dann Mdina, das auch heute noch der Sitz des Maltesischen Adels ist. Man fühlt sich sofort ins ausgehende Mittelalter zurückversetzt. Die engen Gassen mit den alten Gebäuden, alle sauber restauriert, dazu die Geschäfte und Museen, in den Bedienstete in alten Trachten herumlaufen. Man wartet regelrecht darauf, dass Ritter in Rüstung um die Ecke marschiert kommen und fragen, was man denn hier wolle. Wir laufen die Villegaignon Street entlang zur Bastion Square . Von den Mauern dort hat man einen guten Blick in die Umgebung. Über die Magazine Street und die St. Peter Street laufen wir zum St. Pauls Square. Dort steht die Cathedral of St. Peter & Paul . Über die St.Paul Street schlendern wir zurück zum Main Gate.

Mdina

Mdina

Gleich vor den Toren von Mdina liegt Rabat. Es ist mittlerweile schon nach 17:00 Uhr, da sind laut Reiseführer schon einige Sehenswürdigkeiten zu. Wir fürchten, er hat Recht. Durch die St. Pauls Street erreichen wir den Parish Square, an dem die Kirche St. Pauls steht. Ein Schild zu den St. Paul’s Catacombs, die wir eigentlich woanders erwarten, lockt uns hinein. Wir platzen mitten in die Führung. Sie führt in die Katakomben unter der Kirche. Eine Höhle in der Seite ist die Besonderheit dieses Ortes: In der Höhle soll der Apostel Paulus nach seiner Strandung auf Malta drei Monate gelebt haben. Eine Figur und diverse Gaben aus Silber erinnern daran. Die Katakomben, die wir eigentlich sehen wollten, sind das aber nicht – die sind ein paar Ecken weiter –

Typische maltesische Straßenecke in Rabat

Typische Straßenecke in Rabat

uns zu, der Reiseführer hatte also recht – schade. Bei etwas kaltem zu Trinken, was wir uns in den umliegenden kleinen Läden besorgen setzen wir uns zu Einheimischen auf eine Bank zwischen Parish Square und Main Street. Vielleicht haben wir am Abfahrtstag noch eine Chance, mit dem Bus hier heraus zu fahren?

Dann gehen wir in Richtung Auto hinaus aus Rabat. Bevor wir ins Auto steigen sehen wir uns jedoch die Roman Villa an, die jedoch gerade zum Museum umgebaut wird und mit einem hohen Bauzaun umgeben ist. Man kann nur durch Astlöcher hindurch sehen – viel sehen wir also nicht.

Wir steigen ins Auto und machen uns auf in Richtung Hotel. Bevor wir Mdina und endgültig verlassen, suchen wir uns aber noch eine Platz im Norden außerhalb der Festung und schießen ein paar Bilder von der Kulisse der Festung in der tief stehenden Sonne. Eigentlich ist es die falsche Tageszeit, aber wir finden noch eine Stelle, von der aus wir nicht zu sehr ins Gegenlicht fotografieren müssen.

Mdina in der Abendsonne

Mdina in der Abendsonne

Abends machen wir uns dann zunächst auf und laufen rüber an Sliemas Hafen. Von dort machen wir Nightshots von Valletta. Valletta ist aber recht schwach beleuchtet – man muß schon einiges Geschick aufbringen. Bei etwas mehr Licht wäre das sicher ein Touristenmagnet erster Güte. Danach stillen wir unseren Hunger und Durst in der Pizzeria an der Fortezza in Sliema.

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Zusatzinformationen

Wer zur Blauen Grotte will und nicht riskieren will, dass man umsonst hin fährt (besonders ärgerlich, wenn man mit dem Bus unterwegs ist!), unbedingt vorher anrufen (lassen). Fahren die Boote morgens nicht, dann fahren sie gar nicht mehr, da hilft nur: am nächsten Tag wiederkommen.

Hagar Qim und Mnajdra liegen nahe beieinander, man kann ein Kombi-Ticket für beide Tempel kaufen. Hagar Qim ist die wichtigste Tempelanlage Maltas. Vor 5.000 Jahren schufen die Tempelbauer hier Erstaunliches. Laut Reiseführer dehnt sich das Areal auf 600 mal 300 Meter aus. Für den Laien ist allerdings viel weniger sichtbar. Dennoch erstaunt, welche Felsmassen hier bewegt wurden, und wie exakt viele Steine behauen sind. Die Tempelanlage Mnajdra nur wenige hundert Meter weiter in Richtung Meer ist nicht weniger imposant - und ist sogar noch älter, etwa 5.500 Jahre.

Die Dingli Cliffs sind benannt nach dem Engländer Sir Thomas Dingli, der um 1540 hier lebte. An einigen Stellen stützt die Steilküste bis zu 250m ins Meer. In den kühleren Monaten kann man hier gut wandern. Da es aber keinerlei Schatten gibt, ist das Ende August nicht empfehlenswert.

Rätselhafte Schleif- oder Karrenspuren durchziehen einen Hügel hinter den Buskett Gardens in der Nähe der Dingli Cliffs:  Clapham Junction hat ihren Namen von den Briten - die viele stark verzweigenden “Schienenspuren” erinnerten sie wohl an die gleichnamige Eisenbahnkreuzung im Süden Londons. Die Herkunft der Spuren ist auch heute noch ein wissenschaftliches Rätsel, obgleich es einige widerstreitende Theorien gibt. Selbst Erich von Däniken hat hier so seine eigene Theorie. Nach vorherrschender Meinung enstanden die Spuren jedenfalls in der späten Bronzezeit (1500-2000 v. Chr) und bilden ein Transportnetz für landwirtschaftliche Produkte.

Mdina ist die alte Hauptstadt Maltas und auch heute noch der Sitz des maltesischen Adels. Mit seinen imposanten Stadtmauern, dem sauberen Erscheinungbild, den malerischen Gässchen und den prunkvollen Palazzi ist Mdina ein Muss für jeden Malta-Urlauber. Außerdem liegt Mdina auf einem 185m hohen Ausläufer des Dingli-Plateaus, so dass man von den Stadtmauern aus einen fantastischen Blick über die Insel hat. Die Geschichte von Mdina ist lang und von Auseinandersetzungen geprägt: Bereits in der Bronzezeit gab an gleicher Stelle eine Siedlung, die Phönizier legten später einen Wall an und gaben der Stadt den Namen “Malet”, was soviel wie “Ankerplatz” oder “Zufluchtsort bedeutet”. Unter den Römern erlebte Melite - wie die Römer Mdina nannten - seine Blütezeit. Zu dieser Zeit umschlossen die Stadtmauern auch Teile von Rabat. 1530 kamen die Ordensritter nach Malta, was zu Komplikationen mit den Adligen führte. Formell erkannten die Adligen die Vormacht der Ritter letztendlich an, allerdings mußten diese Mdina im Gegenzug Autonomität zusichern. Mdina verlor nach und nach seinen Einfluß und wurde 1571 als Hauptstadt abgelöst. 1798 vertrieb Napoleon die Ritter kampflos - auch Mdina ergab sich. Ab 1800 geriet Mdina dann unter britische Herrschaft und endgültig ins politische Abseits, auch die Università wurde aufgelöst - Mdina wurde zur “stillen Stadt” mit hohen Mauern, verschlossenen Treppen und Toren, die ins Nichts führen.

Rabat schließt sich fast nahtlos an Mdina an. Rabat ist die moderne Schwesterstadt. Nach Rabat führte zwischen 1883 und 1931 sogar die einzige Bahnlinie Maltas. Rund 13.000 Menschen leben hier - in Mdina dagegen nur 500.

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Tag 5:
31. August 2004
(Dienstag)

Wetter:
meist bedeckt, in Mnajdra sogar Regen. Im Tagesverlauf meist heiter bis wolkig

Tages-Tipps:
Hagar Qim und Mnajdra
Dingli Cliffs und Kaninchen-Essen im Bobbyland
Mdina und Rabat