|
 |
An der Blauen Grotte - im Hintergrund die Insel Filfa
|
|
|
Erst sieht es morgens gut aus – Wolkenreste hängen noch über St. Juliens und den nördlichen Teilen Maltas, aber ansonsten wieder Sonne. Das ändert sich aber nach dem Frühstück. Wir fahren trotzdem zur Blauen Grotte
, denn wir vermuten und hoffen, dass es das schnell wieder verzieht. Dem sollte leider nicht so werden. So aber verdrängen wir den Gedanken wieder, heute lieber doch nach Gozo zu fahren. Über den
Flughafen und Luqa fahren wir ganz blauäugig rüber zur Blauen Grotte. Es ist bedeckt als wir dort ankommen. Viel los ist nicht, das ist schon verdächtig. Der Parkplatz ist leer, scheint
auch nichts zu kosten. Wir marschieren runter zu den Booten, werden noch etwas durch die Schilder in die Irre geleitet, die uns einen Umweg runter schicken zu einem Kartenhäuschen – das ist
zu, Mist. Fahren die Boote heute etwa nicht? Es sieht so aus. Wir wollen schon wieder zurück zum Auto, als uns ein Einheimischer
 |
Der Altar von Hagar Qim
|
|
|
in ein Gespräch verwickelt, uns erklärt, dass die See zu rauh wäre (was uns nicht unbedingt so einleuchtet) und die Boote deshalb nicht fahren würden. Auf die Frage, ob sie später am Tag eventuell fahren würden, erklärt er,
dass sie auch am Nachmittag nicht fahren würden, wenn sie erst mal entschieden hätten, nicht zu fahren. Das ist dann Pech für den ganzen Tag. Bad Luck sozusagen. Er gibt uns
aber den Tipp, doch unten in den Felsen entlang zu laufen bis kurz oberhalb der Grotte. Von dort hätte man einen sehr schönen Blick. Wir folgen dem Rat und er hat recht.
Zurück am Auto gibt er uns noch ein paar Tipps und hält dann die Hand auf... aha, so nach dem Motto “der Parkplatz kostet nichts, aber meine Tipps”! So läuft das hier also. Na gut, mit 50 Cent ist er
zufrieden und wir fahren. Kurz oberhalb halten wir noch einmal an der Aussichtsplattform, die der “Parkplatzwächter” uns als Tipp mit auf den Weg gegeben hat. Dann fahren wir weiter und besuchen den zweiten Megalithtempel:
Hagar Qim. Der wiederum ist so ziemlich der bekannteste, und selbst wenn man Malta noch nicht selbst besucht hat, ist dieser Tempel ein Begriff. Hagar Qim und Mnajdra bilden einen Komplex –
Hagar Qim liegt etwas höher, Mnajdra liegt etwas weiter unten in Richtung Meer. Karten kann man für beide zusammen kaufen. Der Tempel ist etwa 3000 Jahre vor Christus erbaut worden und soll sich recht deutlich von
den anderen Tempeln auf Malta unterscheiden. Wir sehen das nicht, denn es ist unser erster, gut erhaltener Tempel – so man das von derart alten Ruinen sagen kann. Außerdem kommt er uns kleiner vor als auf den
Zeichnungen (das Areal soll 600 mal 300 Meter messen). Während man sich auf Maltas Straßenkarte eigentlich immer verschätzt, weil man in Realität aufgrund der geringen Entfernungen schon längst vorbei
ist, wenn man meint, an dem Punkt auf der Karte zu sein, ist es hie umgekehrt –
 |
Mnajdra - im Hintergrund die Insel Filfa
|
|
|
der für uns erkennbare Teil der Ruinen ist deutlich kleiner als ich immer dachte. Imposant ist es dennoch. Über die Ausmaße kommen wir mit einer deutschen Touristin ins Gespräch, die unseren Eindruck bestätigt. Sie war
schon vor ein paar Jahren da und hatte von damals auch alles größer in Erinnerung – als ob ein Teil fehlen würde. Charakteristisch sind jedenfalls die exakt behauenen Steine, die z.T. so groß sind, dass man sich
fragt, wie diese Blöcke bewegt wurden. Daher auch der Name der Kultur: Monolithkultur. Zahlreiche Altäre und Fenstersteine ziehen den Blick auf sich – auch wenn
ich zugeben muß, dass ich für das ein- oder andere Detail nur dank des Reiseführers einen Blick habe.
Von Hagar Qim geht es einen kleines Weg hinunter zur nächsten Kultstätte: Mnajdra. Dieser Tempel ist noch etwas älter, er wird meist auf 3500-3000 vor Christus geschätzt. Für uns sieht er
recht ähnlich aus. Vom 12. auf den 13. April 2001 wurde der Tempel durch Vandalen verwüstet – man sieht, wo die Steine wieder aufgerichtet wurden und wo sie mit Mörtel und Beton geflickt wurden.
Auf dem Rückweg zum Parkplatz (auch hier werden wir “nett” von einem Parkplatzwächter in ein Gespräch verwickelt, auch das kostet wieder 50 Cent, aber ich kann
ganz nett plaudern – er nimmt sich Zeit selbst nachdem er das Geld hat) fängt es
 |
Clapham Junction - Wagenspuren
|
|
|
an zu regen – der Regen ist aber warm und auch nicht stark, das macht nichts. Nur die Kamera muß etwas geschützt werden. Als wir am Wagen sind ist der Spuk aber auch schon wieder vorbei.
Dann geht es weiter. Vom Laferla Cross (238m ü.NN) überblickt man die ganze Insel. Etwas besseres Wetter würden wir uns wünschen. Auf dem Weg nach oben wird
queren wir das Territorium einiger Hunde, die zu einer Hütte und dem Mann darin gehören. Er scheint dort in der Einöde zu leben, kaum vorstellbar mitten in Europa und doch abgeschieden von allem, scheinbar außerhalb
der Zivilisation. Hier kommt kein Tourist her, erst recht nicht ohne Auto – die nächste Busstation ist wohl ziemlich weit weg.
Nächste Station sind die Dingli Cliffs. Hin und wieder erhaschen wir einen Blick auf die steil abfallende Küstenformation. Wir suchen auch einen Weg runter, so
schnell sehen wir aber keinen. Auch eine Straße, die wir zunächst in Verdacht haben, dass sie eventuell weiter herunter führen könnte, erweist sich als Sackgasse. So essen wir erst im Bobbyland
unser Kaninchen – sehr lecker, der Tipp von Barbara war es wert. Zwei Wermutstropfen gibt es –
|
Chamäleon auf Mdinas Stadtmauer
|
|
|
erstens ist die Bedienung nicht die flinkste (zwei Tische auf einmal abfertigen ist mindestens einer zuviel, daher dauert alles “etwas” länger), zum anderen nagt man an einem “Rabbit Maltese
Style” schon ziemlich lange – ziemlich verwinkelt, ziemlich viele Knochen. Aber eine lecker Soße ist dabei, insgesamt wirklich sehr zu empfehlen. Lecker!
Wir lassen dann nach übe eineinhalb Stunden “Mittagspause” das Auto erstmal stehen und versuchen, runter an die Klippen zu kommen – aber no
way: Da, wo wir einen Weg sehen, steht auch ein Schild: Private, no entry. Schade. Zum Suchen ist es erheblich zu heiß. 30° im Schatten – aber welcher Schatten??? Auf ganz Malta gibt es
eigentlich nur zwischen Häusern Schatten. Aber hier? Hier ist keiner!
 |
Mdina - Main Gate
|
|
|
Demzufolge ist es heiß, der Schweiß rinnt unter dem T-Shirt. Fast so heftig wie anno 2000 in Hong Kong. So geben wir den Plan auf und setzen uns wieder in unseren kleinen Kia ohne
Klimaanlage – der glüht aber nun auch nach der langen Zeit, die er in der prallen Sonne stand. Wir fahren zur Clapham Junction. Dieser Platz heißt so, weil die Engländer von dem System von Spurrillen so beeindruckt
waren, dass sie den Ort nach einer berühmten Kreuzung in London benannt haben. Man nimmt an, dass es Rillen sind, in den Karren gezogen wurden.
Diese in den Fels gehauenen Spuren kreuzen sich oft gleich den Weichen von Schienen und überziehen ein großes Areal an einem flachen Hang. Die Experten sind sich aber immer noch
nicht einig, ob die Theorie wirklich stimmt. Andere, wie Erich von Däniken, haben da – wen wundert’s – ganz andere Theorien… man nimmt an, dass die Rillen aus der späten Bronzezeit stammen (1500-1000 v.Chr.).
Ein Einheimischer erwischt uns und ein Pärchen, was sich auch gerade die Spuren ansieht, und spricht uns an: Er will uns eine Höhle in der Gegend zeigen. Wir wissen aber
nichts davon und lehnen lieber ab.
Wir kehren zurück zum Auto und machen uns auf nach Mdina, der alten Hauptstadt Maltas. In Mdina stellen wir das Auto in der Nähe des Main Gate auf
 |
Mdina - die Kathedrale
|
|
|
einem recht holprigen Parkplatz ab. Auf der Brücke über den Festungsgraben hockt ein Chamäleon auf der Mauer und wird von uns erstmal mit der Kamera unter Beschuß genommen. Erst lässt
es sich das noch gefallen, wie die ganzen Touristen so auf das arme Tier einstürmen, rückt dann aber doch irgendwann immer mehr in Richtung Abgrund und stürzt dann prompt ab! Allerdings scheint dem
Tier auch nach dem metertiefen Sturz nichts passiert zu sein. Glück gehabt!
Durch das Main Gate betreten wir dann Mdina, das auch heute noch der Sitz des Maltesischen Adels ist. Man fühlt sich sofort ins ausgehende Mittelalter
zurückversetzt. Die engen Gassen mit den alten Gebäuden, alle sauber restauriert, dazu die Geschäfte und Museen, in den Bedienstete in alten Trachten herumlaufen. Man wartet regelrecht darauf,
dass Ritter in Rüstung um die Ecke marschiert kommen und fragen, was man denn hier wolle. Wir laufen die Villegaignon Street entlang zur Bastion Square
. Von den Mauern dort hat man einen guten Blick in die Umgebung. Über die Magazine Street und die St. Peter Street laufen wir zum St. Pauls Square. Dort steht die Cathedral of St. Peter & Paul
. Über die St.Paul Street schlendern wir zurück zum Main Gate.
Gleich vor den Toren von Mdina liegt Rabat. Es ist mittlerweile schon nach 17:00 Uhr, da sind laut Reiseführer schon einige Sehenswürdigkeiten zu. Wir fürchten, er hat Recht. Durch die St. Pauls Street
erreichen wir den Parish Square, an dem die Kirche St. Pauls steht. Ein Schild zu den St. Paul’s Catacombs, die wir eigentlich woanders erwarten, lockt uns hinein.
Wir platzen mitten in die Führung. Sie führt in die Katakomben unter der Kirche. Eine Höhle in der Seite ist die Besonderheit dieses Ortes: In der
Höhle soll der Apostel Paulus nach seiner Strandung auf Malta drei Monate gelebt haben. Eine Figur und diverse Gaben aus Silber erinnern daran. Die Katakomben, die wir eigentlich sehen
wollten, sind das aber nicht – die sind ein paar Ecken weiter –
 |
Typische Straßenecke in Rabat
|
|
|
uns zu, der Reiseführer hatte also recht – schade. Bei etwas kaltem zu Trinken, was wir uns in den umliegenden kleinen Läden besorgen setzen wir uns zu Einheimischen auf eine Bank zwischen Parish
Square und Main Street. Vielleicht haben wir am Abfahrtstag noch eine Chance, mit dem Bus hier heraus zu fahren?
Dann gehen wir in Richtung Auto hinaus aus Rabat. Bevor wir ins Auto steigen sehen wir uns jedoch die Roman Villa an, die jedoch gerade zum Museum umgebaut wird
und mit einem hohen Bauzaun umgeben ist. Man kann nur durch Astlöcher hindurch sehen – viel sehen wir also nicht.
Wir steigen ins Auto und machen uns auf in Richtung Hotel. Bevor wir Mdina und endgültig verlassen, suchen wir uns aber noch eine Platz im Norden außerhalb der
Festung und schießen ein paar Bilder von der Kulisse der Festung in der tief stehenden Sonne. Eigentlich ist es die falsche Tageszeit, aber wir finden noch eine Stelle, von
der aus wir nicht zu sehr ins Gegenlicht fotografieren müssen.
Abends machen wir uns dann zunächst auf und laufen rüber an Sliemas Hafen. Von dort machen wir Nightshots von Valletta. Valletta ist aber recht schwach beleuchtet – man muß schon einiges Geschick aufbringen. Bei etwas mehr
Licht wäre das sicher ein Touristenmagnet erster Güte. Danach stillen wir unseren Hunger und Durst in der Pizzeria an der Fortezza in Sliema.
[ Weiter zu Tag 6: Gozo >>> ]
|